Politikstil „Neue Sachlichkeit“ – Anforderungen an politische Kommunikation PDF  | Print |  E-mail

Berlin, 24. Januar 2012: Ohne Flair und Charisma muten einige der europäischen Staatsoberhäupter zurzeit an. Ein Beispiel für diesen Politikstil ist der Wahlkampf von François Hollande.

 

Im Kontrast zu Nicolas Sarkozy präsentierte sich Hollande nämlich bisher nicht als Selbstdarsteller: „Ich will ein ganz normaler Präsident sein, für ganz normale Leute."


Politiker des Typs Gerhard  Schröder, Tony Blair, Silvio Berlusconi oder auch Nicolas Sarkozy, die mit ihrer lebhaften und häufig unverfrorenen Art die Politikszene unterhielten, sucht man heute vergebens. Es hat den Anschein, als würde sich derzeit ein neuer Trend der Politikgestaltung durchsetzen. Die Zeit des extrovertierten und hochkommunikativen „charismatischen Herrschers“, einer Persönlichkeit, die politische Verfehlungen oder Dürreperioden nicht selten durch Ihre Persönlichkeit zu überbrücken wusste und sich zugleich medienwirksam in Szene setzen konnte, hat ausgedient.

Der „Herrschertyp“ im Europa unserer Zeit agiert rational, bürokratisch-monokratisch und verdankt sein Vertrauen letztlich seinem „Fachwissen“. Seine Kommunikation ist dementsprechend pragmatisch, gemäßigt, emotionslos, aber eben auch ein wenig langweilig. In Spanien wurde Mariano Rajoy mit absoluter Mehrheit gewählt, in Italien hat Mario Monti die Regierung der nationalen Pflicht ausgerufen und selbst im Vereinigten Königreich von Großbritannien werden die politischen Geschicke von einem gemäßigten und eher vernunftorientierten Konservativen geleitet. Auch die deutsche Kanzlerin versprüht ihr Charisma sehr dosiert. Mit ihrer stoischen Ruhe, ihrer fachlichen Kompetenz und von pragmatischer Vernunft geleitet, scheint sie der Archetyp eines neuen und zumeist konservativen Politikertypus zu sein. Ihre Kommunikation ist sanft, aber direkt und vor allem problemlösungsorientiert. Es wird gesagt, was gesagt werden muss, mehr aber auch nicht.

Analog zu veränderten Politikstilen, haben sich auch die Ansprüche an politische Kommunikation geändert. Sie wird ruhiger, besonnener und auch rationaler. Lautstärke wird noch immer wahrgenommen und erfüllt bisweilen auch ihren Zweck, nutzt sich aber rasch ab und hinterlässt zu oft einen schalen Geschmack. Die Devise lautet also: weg von lautstarken Kampagnen und hartem Lobbyismus. Politische Kommunikation muss immer stärker von inhaltlicher Substanz und argumentativ belastbar sein. Die kritische Menge aus Ratio und Emotio zu bilden und dabei Vertrauen zu erzeugen, das ist Grundlage erfolgreicher politischer Kommunikation, wie wir sie verstehen.