| 2012 – Schicksalsjahr der Pharmabranche | | Drucken | |
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Berlin, 03. Februar 2012: Ablaufende Patente und milliardenschwere Verluste – dieses Jahr wird in Kreisen der Pharmabranche schon jetzt als „annus horribilis“ bezeichnet.
Eine Welle an Patentabläufen kommt auf die Pharmabranche zu. Neun Blockbuster mit einem akkumulierten Jahresumsatz von 43 Milliarden Euro verlieren 2012 ihren Patentschutz, betroffen sind beinahe alle Größen der Industrie.
In der Regel werden Produkte, die ihren Patenschutz verlieren, durch Neuentwicklungen und Neuzulassungen kompensiert. Zurzeit aber kommen immer weniger Erfolg versprechende Neuentwicklungen auf den Markt. Rückschläge begleiten zudem diesen Prozess. Astra Zeneca beispielsweise musste 400 Millionen Dollar aufgrund von zwei gescheiterten Projekten, einem Krebsmittel und einem Antidepressivum, abschreiben. Konzerne, wie Abbot, ziehen daraus ihre Konsequenzen und haben angekündigt, ihre Forschungsbudgets zu verschlanken.
In Deutschland müssen die Arzneimittelhersteller den Krankenkassen weiterhin einen 16-prozentigen Rabatt auf Nicht-Festbetragsarzneien gewähren. Darüber hinaus müssen Medikamente seit 2011 die umstrittene Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) überwinden, bevor die ersten Wirkstoffe die Patienten erreichen. Die Patienten – besser, die den Patienten betreuenden Krankenkassen – bevorzugen zudem preisgünstige Generika und Biosimiliars. Generikahersteller aber investieren keinen Euro in die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien. Die Konsequenz wird unweigerlich eine Verlangsamung und Bedrohung von Innovationen im Gesundheitswesen sein. Die Entwicklung von Innovationen ist zeitaufwendig und unglaublich teuer.
Beherzt müssen die Hersteller nun eine kommunikative Großinitiative starten. Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem aktuellen Positionspapier der CDU/CSU zur 16. AMG-Novelle (Arzneimittelgesetz), welche für Ende Februar erwartet wird. Das Positionspapier steht bereits unter Beschuss. Die Union hat für einige Kritikpunkte der forschenden Pharma-Unternehmen am Verfahren der frühen Nutzenbewertung und der Erstattungspreisverhandlungen Verständnis gezeigt, in der Überzeugung das Richtige für Gesamtdeutschland zu tun. Ein ebensolches Verständnis muss kommunikativ in breiten Teilen der Gesellschaft, Presse und vor allem der Politik geweckt werden, wenn Innovationen künftig nicht unter den anbahnenden Wellen „absaufen“ sollen. |