Außenseiter schaffen Vertrauen - Heilmann neuer Justizsenator PDF  | Drucken |  E-Mail

Berlin, 13. Januar 2012: Gerade auch in der Politikberatung fragen wir uns häufig, was bewegt eigentlich Menschen, Politik zu machen und wie wirkt sich diese Motivation auf ihre Arbeit aus?

Geld, das eigene Ego, der Wille zu gestalten oder gar das Ethos zu dienen sind nur einige wenige Beweggründe, die immer wieder ins Feld geführt werden. Die Frage nach der Motivation haben wir uns auch bei den neuesten Entwicklungen in der Berliner Landespolitik gestellt.

Die rot-schwarze Koalition in Berlin hat einen neuen Justizsenator gefunden. Thomas Heilmann, Honorarprofessor der Universität der Künste Berlin und Gründer der Agentur Delta Design, die später in Scholz & Friends aufging, ist das neueste Mitglied des Berliner Senats. Der ehemalige Facebook-Investor und erfolgreiche Unternehmer übernimmt das Amt von Michael Braun, der zwölf Tage lang in der Senatsverwaltung für Justiz, der Salzburger Straße 21, residieren durfte.

Der siebenundvierzigjährige Jurist ist als stellvertretender Landesvorsitzender und Mitglied der Verhandlungsgruppe des Koalitionsvertrages hervorragend in die Strukturen der Berliner Union eingebundenen. Trotzdem hat er sich, nicht nur aufgrund seiner finanziellen Situation, seinen Status als „Außenseiter“ bewahrt - ein Status, den er für das Land Berlin nutzen kann. In ihm liegt die Freiheit begründet, unkonventionell zu denken und eingefahrene politische Muster aufzubrechen. Weil Heilmann keinen monetären Zwängen unterliegt und aus freien Stücken die politische Bühne Berlins gesucht hat, scheint er, wenn man dem großen deutschen Soziologen Max Weber folgt, einem guten Politiker nahezukommen. Der Idealtypus eines Politikers ist für ihn eine Person, die nicht von der Politik, sondern für die Politik lebt. Dieser macht Politik aus Leidenschaft an der Politik. Seine finanzielle Unabhängigkeit versetzt ihn in die Lage, sachlich, verantwortungsbewusst und mit distanziertem Augenmaß zu agieren. Mithin ist Politik für Max Weber eine Berufung und kein klassischer Beruf. Offenkundig scheint Heilmann diese Sichtweise zu teilen – so bemerkte er jüngst: „Das Amt eines Senators ist ja kein Selbstverwirklichungsjob. Ich bin Dienstleister der Bürger“.

Wir sind der festen Überzeugung, dass es mehr Quereinsteiger und unabhängige Akteure in der Politik geben sollte. Menschen, die als Quereinsteiger den Schritt in die Politik wagen, bringen neue Ideen mit und lösen eingefahrene Strukturen auf. Sie könnten neben den etablierten Politikertypus treten, die Politik beleben und dadurch ein Stück Parteien- und Politikerverdrossenheit abbauen. Gerade Akteure von außen könnten helfen, das gesunkene Ansehen der Politik zu heben und neues Vertrauen zu kreieren.